03- 04
Welche Möglichkeiten besitzt die Fotografie innerhalb der zeitgenössischen Kunst? Welche inhaltlichen und ästhetischen Entwicklungsformen sind denk- und machbar? Diesen und ähnlichen Fragen stellte sich eine Gruppe von Fotografie-Studenten an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf und der Hochschule für Kunst und Gestaltung Zürich (HGKZ). Ausgehend von einer Initiative des Studienbereichleiters Prof. Ulrich Görlich an der HGKZ, der an einem Austausch mit einer deutschen Kunstakademie interessiert war, entwickelte sich eine Idee, welche die aktive Auseinandersetzung mit „Kunst“ zum Ziel hatte. An diesem Projekt, das zunächst vor allem auf den Vergleich der verschiedenen Ausbildungsprozesse ausgerichtet war, nahmen zwölf Studenten der Fotoklasse von Thomas Ruff an der Düsseldorfer Kunstakademie sowie elf Studenten von Ulrich Görlich aus dem Studienbereich Fotografie der HGKZ in Zürich teil. Nach einem ersten Treffen in Zürich im November 2003, bei dem eine vorläufige Konkretisierung des Themas gefunden wurde, begannen alle 23 Teilnehmer eigene Arbeiten zu entwickeln. Während weiterer intensiver Gespräche, die sowohl in Zürich als auch in Düsseldorf stattfanden, wurde über die bis zu diesem Zeitpunkt entstandenen Werke diskutiert und die Idee entwickelt, die Ergebnisse der Reflexion in einer Ausstellung und einer Publikation festzuhalten.
Bereits zu Beginn des Projektes zeigte sich, dass die Ausbildungsbedingungen an den beiden Hochschulen äußerst divergent sind und dass dies auch zu einer unterschiedlichen Herangehensweise führte. Hatten die Züricher sich bereits mit dem Thema und den Fragestellungen als Ausgangspunkt für die Teilnahme auseinander zu setzen, so schien in Düsseldorf Grundlage für die Teilnahme ausnahmslos das Interesse an dem gemeinsamen Projekt gewesen zu sein. Diese unterschiedliche Herangehensweise ließ sich auch bei dem ersten Treffen feststellen. Waren die Zürich stärker an einer zunächst theoretisch orientierten Auseinandersetzung interessiert, dominierte bei den Düsseldorfern eine visuell geprägte Arbeitsweise. Aus diesen beiden Positionen leiten sich nun Arbeiten ab, die den Begriff ‚Kunst’ auf unterschiedliche Weise zu fassen versuchen, zumal das Thema selbst denkbar weit gefasst ist. ‚Kunst’, in ihren vielen möglichen Äußerungsformen, stellt somit in einer Art zyklischer Denkbewegung sowohl den Ausgangspunkt der Reflexion als auch den Endpunkt des Schaffensprozesses dar. Dieser manifestiert sich dann wiederum in den fertigen Arbeiten.
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In gänzlich anderer Funktion wird die Natur, nämlich als gestaltete ‚künstliche’ Natur in den Arbeiten von Julia Kernbach aufgefasst, wenn sie aus Büchern der 1980er und 1990er Jahre über Gartenbaukunst verschiedene Fotografien reproduziert und vergrößert wiedergibt. Die Farbigkeit der Aufnahmen, die an Abbildungen der 1950er und 1960er Jahre erinnert, hebt die Künstlichkeit der angelegten Gärten hervor. Nicht die Natur, sondern die vom Kunstwillen geführte Hand des Gartenarchitekten, lässt die Strukturen entstehen, die in den Aufnahmen durch den Fotografen einen weiteren Eingriff in der Auswahl des Ausschnitts erfahren. Die Reflexion über Bilder im Zusammenhang mit der Repräsentationsfunktion von Kunst lässt sich daher sehr gut an ihnen ablesen. […]
Stefanie Kreuzer
Valeria Liebermann