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Wälder

Julia Kernbach, Folke Köbberling und Martin Kaltwasser

Wald anders sehen
Was ist der Wald in unserer Vorstellung? Dämmriges Grün, der modrige Geruch von Holz, lichte Durchbrüche, romantische Stimmung, Rohstofflieferant, Freizeitgelände mit Wanderwegen...

Das grüne Gewirr eines Dickichts auf einer raumhohen acht Meter langen Wand versperrt den Weg. Wilde Vegetation, insbesondere die der Wälder, bestimmen die fotografischen Arbeiten von Julia Kernbach. Dabei handelt es sich weder um romantisch verklärende Landschaftsbilder, noch um dokumentarische oder topografische Abbildungen. Sie zeigt die der Natur innewohnenden formalen Strukturen auf und verdichtet sie durch ihre spezifische Arbeitsweise. Durch digitale Bearbeitung entsteht auf neuartige Weise ein artifizielles Bild des Waldes, das trotz oder gerade durch die Verfremdungen der Realität sehr nahe kommt. Die Fotografie als Abbild des Realen erfährt durch Julia Kernbachs Arbeiten in der Auflösung und Überlagerung von Fotosegmenten ein Transformieren in die Abstraktion. Beim Betrachten meint man, geheimnisvolle Tiefen zu erschauen, die eine Fortsetzung ins Unendliche denkbar erscheinen lassen. Die Waldwand „Parzelle“ huldigt dabei im besten Sinne dem Kunstbegriff des „All Over“, des über die Leinwand Hinauswachsens, wie das Jackson Pollock mit seinen Action Paintings begann.
„Tropical Forest 10° 35' 20,37" S / 63° 36' 50,50" W“ die Arbeit des Berliner Künstlerduos Folke Köbberling und Martin Kaltwasser schwebt wie ein fliegender Teppich aus lose hängenden Puzzleteilen über dem Boden. Bilder, die die Künstler bei Google Earth gefunden haben, offenbaren aus der Satellitenperspektive die bizarren Formen der Zerstückelung des brasilianischen Regenwaldes. Die Online Bilder wurden auf Mahagoni und Teakholz Fronten projeziert, welche die Künstler als ausrangiertes Mobiliar der IFA Messe massenhaft vorgefunden haben. Eine ortsspezifische Erweiterung erhalten die Werke im Innenraum durch einen provisorischen “Neubau” außen im Hof. Mit ihren Arbeiten stellen die Künstler seit über zehn Jahren Fragen nach dem imaginären Raum, dem individuell persönlichen, aber auch nach dem öffentlichen Raum. Folke Köbberling und Martin Kaltwasser nutzen den öffentlichen Raum als Materialressource und zur temporären Aneignung durch ihre Installationen und Interventionen. Ihre Werke finden ein direktes Ausdrucksmittel in der Wiederverwertung von Materialien und werden zu intermedialen Modellen in der Diskussion über ästhetische, ökonomische, und kulturelle Fragen – kurz: zu einer „verbildlichten Gesellschaftskritik“.
Rita Strautmann, Kuratorin

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