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ZOOM 7x Düsseldorfer Fotografie


Text zur Ausstellung

Michael Voets

Die Waldlandschaften von Julia Kernbach wirken märchenhaft und geheimnisvoll. Sie haben die Anmutung einer Erscheinung, eines Bildes, das sich verdichtet und konkretisiert, um sich bei näherer Betrachtung wieder zu entziehen. Die Transparenz und Gleichzeitigkeit unterschiedlicher Bildebenen suggerieren eine perspektivische Tiefenräumlichkeit, die sich der Nachvollziehbarkeit durch den Betrachter verweigert. Der eingangs gesetzte Begriff einer Waldlandschaft wird daher den fotografischen Kompositionen nicht gerecht. Es geht nicht um die Dokumentation eines idyllisch geprägten Landschaftsausschnittes – es handelt sich vielmehr um malerisch vorgetragene Bilder eines Begriffes: Die Fotomontagen transportieren die Idee eines Waldes und vermitteln in der Idealisierung des Bildes, die Idealisierung des Begriffes selbst.
Die Kompositionen beruhen auf Landschafts- und Vegetationskonstellationen, die die Künstlerin zunächst klassisch-analog aufgenommen hat. Dieses Ausgangsmaterial wird digitalisiert und zwei Motive miteinander im Bild vermittelt. In weiteren Bearbeitungsschritten kontrolliert Julia Kernbach das Zusammenwirken der räumlichen Überlagerungen. Die Arbeiten werden somit nach malerischen Kompositionskriterien gestaltet. Sie entwickeln idealisierte Typologien des Begriffes „Wald“, der im Bild des „Urwaldes“ die romantische Auffassung einer allgewaltigen Natur widerspiegelt. Dieses Bild scheint eine tief verwurzelte menschliche Erinnerung zu berühren, die auch dem Betrachter – der sich unmittelbar angezogen fühlt – eingeschrieben ist.